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Bahnhof Diepholz vom Standort des ehemaligen Lokschuppens aus gesehen (April 2007). Copyright © Otwin Skrotzki

Diepholz

Der Bahnhof Diepholz liegt an der Hauptstecke Köln-Münster-Osnabrück-Bremen-Hamburg und ist außerdem der Ausgangs- bzw. Endpunkt der Strecke 219a (Nienburg-Sulingen-Diepholz). Die “Venlo-Hamburger Eisenbahn” - so wurde die Hauptstrecke ursprünglich genannt - wurde 1873 eröffnet. Sie war die kürzeste Verbindung zwischen Hamburg und dem Ruhrgebiet und damit eine der wichtigsten Eisenbahnlinien in Deutschland. Vom Ruhrgebiet führte die Strecke weiter über Venlo nach Paris. Der erste Betreiber der Bahn war die private “Cölln-Mindener Eisenbahngesellschaft”. 1879 übernahm durch Verstaatlichung die “Königlich Preußische Staatseisenbahn” die Strecke. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1920 aus den Länderbahnen die Deutschen Reichsbahn gegründet.

 

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Das prächtige Empfangsgebäude mit dem ehemaligen Postgebäude (vorne rechts) in Diepholz ist wohl der schönste Bahnhof zwischen Bremen und Osnabrück und kann durchaus zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Diepholz gezählt werden. Der Baustil ist dem sogenannten “Historismus” zuzuordnen. Das Empfangsgebäude ist noch heute geöffnet, trotz des Zeitalters der Fahrkartenautomaten, und verfügt noch über ein kleines Reise-Center, eine große Bahnhofsbuchhandlung, sowie über eine Bahnhofs-Gaststätte (April 2007). Copyright © Otwin Skrotzki

>>Bahnhof, Straße und Platz bei den am Bahnhof gelegenen Gebäuden. Der Bahnhof entstand beim Bau der Eisenbahnstrecke Bremen-Diepholz-Osnabrück in den “Schabbewiesen” [...] Sie wurde im Jahre 1869 - zunächst eingleisig - begonnen und am 1. Oktober 1873 eröffnet. Die am 15. Mai fertiggestellten Gebäude des Bahnhofs bestanden damals aus dem Empfangs- und dem Postgebäude, aus dem Güter- und dem Lokomotivschuppen, aus der Wasserstation, dem Kohlenschuppen und einem Nebengebäude, das 1879 abgebrochen wurde. Im Jahre 1905 verlegte man das Postamt in das neu erbaute Rathaus in der Langen Straße.<< [Zit.: Emil Johannes Guttzeit, Diepholz und seine Straßen, 1954]

>>[...] Die Euphorie der Friedensjahre nach 1871 mag sich in kleinstädtischen Grenzen gehalten haben. Der Bau der Eisenbahn Osnabrück-Bremen bewegte die Gemüter allerdings sehr. Er begann 1870, und ab Anfang November wurden auch französische Kriegsgefangene bei den Erdarbeiten am Oberbau eingesetzt. Es waren u.a. Zuaven - Dragoner und Artilleristen. “Dieselben machen sich bei der Arbeit mit kleinen Schiebkarren und mit ihren blutroten Hosen und Mützen ganz malerisch; beim ersten Anblick glaubt man sich in ein anderes Land versetzt”, berichtete das Diepholzer Wochenblatt. Am 15. Mai 1873 schnauften dann die ersten Dampfrösser durch Diepholz. Es verkehrten zunächst täglich drei Zugpaare, am 15. August wurde der Güterverkehr mit acht Güterzugpaaren aufgenommen.<< [Zit.: Horst Schöttler, Schöne Grüße aus Diepholz, 1980]

>>[...] 1872 fuhren Diepholzer zum ersten Mal auf Schienen nach Lemförde. Die Vergnügungsfahrt fand auf einem Kieswagen statt! Als die Gleise zwischen Bremen und Osnabrück auf der Station Drebber zusammengefügt wurden, gab es ein Festmahl in Diepholz [...] Der Alltag mit der Bahn veränderte so manches. In Diepholz versteigerte der Postverwalter Schütte acht Pferde [...], da die Personenpost eingestellt wurde. Das Postbüro kam vom Bremer Eck in einen Neubau neben dem Bahnhofsgebäude. Neben dem Bahnhof konnten Lagerplätze gemietet werden. Kohlen aus der Zeche Königsgrube und westfälische Salze zum Einpökeln wurden nun mit Güterzügen nach Diepholz transportiert. [...] Zu der Nord-Süd-Trasse der Eisenbahn, die Hamburg mit Bremen, Osnabrück und dem Ruhrgebiet verband, gesellte sich 1923 die Ost-West-Strecke, die von Diepholz über Sulingen nach Nienburg führte. Der dortige Zug hieß in der Schülersprache der “Sulinger Alli” [...]<< [Zit.: Wilfried Gerke, Wo einst das Moor die Grenze war, 1999]

Der Diepholzer Bahnhof war - abgesehen vom Rangierbahnhof Kirchweyhe - der größte Bahnhof zwischen Bremen und Osnabrück sowie Haltepunkt vieler Fernverkehrszüge (D-Züge), insbesondere von den 1950er bis in die 80er Jahre. Das prächtige Empfangsgebäude aus dem Jahre 1873 steht noch heute nahezu unverändert. Von dem kleinen Betriebswerk mit dem zweiständigen Lokschuppen, dem Kohlebansen, der Drehscheibe zum Wenden von Lokomotiven (die sich nicht vor, sondern neben dem Lokschuppen befand) und den Wassertürmen ist jedoch keine Spur mehr vorhanden. Ab 1923 bescherte die neue, abzweigende Nebenstrecke nach Nienburg über Sulingen (219a) dem Diepholzer Bahnhof einen weiteren Verkehrszuwachs. In den 1930er Jahren kam ein Anschlußgleis an den Militärflughafen (Fliegerhorst Diepholz) hinzu. 1967/68 brachte die Elektrifizierung der Strecke zwischen Osnabrück und Bremen das Ende der Dampflok-Ära, und 1977 wurde das alte mechanische Stellwerk durch ein elektronisches Drucktasten-Stellwerk ersetzt. Die Einführung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in den 80er Jahren machte eine Entschärfung der Nordkurve erforderlich. Bei diesem Umbau wurde auch das Anschlußgleis der Maschinenfabrik “Schöma” abgetrennt. Der Güterbahnhof wurde früher immerhin so stark genutzt, daß bis Anfang der 1970er Jahre sogar eine Rangierlok der Baureihe “V 60” in Diepholz stationiert war. Diese Lok beförderte auch Güterzüge auf der Strecke Diepholz-Sulingen. In der Südkurve befanden sich mehrere lange Überholgleise, auf denen in der Dampflokzeit oft Güterzüge standen, deren Lokomotiven an den dortigen Wasserkränen ihre Wasservorräte auffüllten. Der große, vermutlich zwischen den 1930er und den 1950er Jahren erbaute, weithin sichtbare Wasserturm, der dort an der Südkurve an der Barlager Hüde stand, ersetzte zwei ältere Wassertürme (einen am Nährweg und einen nördlich des Bahnhofs). 

Spätestens in den 1990er Jahren brachte die sogenannte “Bahnreform” im Zuge der Privatisierungs-Vorbereitungen der Deutschen Bahn für den Eisenbahn-Güterverkehr in Diepholz - ebenso wie für den der anderen kleinen Orte und Städte in der Region - das Aus. Der Stückgutverkehr wurde komplett auf die Straße verlagert, der Wagenladungspunkt Diepholz geschlossen. Im ehemaligen Stückgut-Schuppen befindet sich heute die Bahnmeisterei. Die Übergabezüge der Rehdener BTR-Logistik, sowie von der Barenburger Exxon-Mobil, die über die Strecke Sulingen-Diepholz fahren, scheinen heute das Einzige zu sein, das sich im Güterverkehr am Diepholzer Bahnhof noch abspielt. Von einer Stillegung des Gleisanschlusses zum Fliegerhorst war bislang in den Lokalmedien zwar noch nicht die Rede, doch der Rost auf den Schienen läßt darauf schließen, daß sich auch dort nichts mehr abspielt. Im Personen-Fernverkehr gab es für Diepholz den schwersten Rückschlag, als die Deutsche Bahn AG die beliebten InterRegio-Züge abschaffte. Heute ist Diepholz im Personen-Fernverkehr nur noch Haltepunkt einiger weniger InterCity-Züge in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Ansonsten müssen Fernreisende einen sogenannten “Regionalexpress” (Nahverkehrszug) nehmen und in Osnabrück bzw. Bremen umsteigen. Einer der wenigen InterCity-Halte in Diepholz am Morgen, der gerne von Berufspendlern nach Bremen genutzt wird, sollte 2007 gestrichen werden, was aber durch heftige Bürgerproteste vorerst verhindert werden konnte. Die Nahverkehrs-Anbindung von Diepholz kann aber als gut bezeichnet werden. Regionalexpress-Züge fahren stündlich in beide Richtungen. Der Schienen-Personenverkehr in Richtung Sulingen ist jedoch bereits 1966 eingestellt worden. Im Jahre 2009 begannen die Arbeiten zu einer Straßenuntertunnelung am Diepholzer Bahnhof, sowie einer umfassenden Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes.

 

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Die Giebelseite des Diepholzer Güterschuppens erinnert noch an die Dampflokära. Die blaue Kleinlokomotive der Mittelweserbahn (MWB) wird für den Güterverkehr mit der Firma “BTR-Logistik” in Rehden eingesetzt (November 2007). Copyright © Otwin Skrotzki

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Die ehemalige Ladestraße des Diepholzer Bahnhofs. Im Vordergrund führt ein stillgelegtes und abgetrenntes Gleis zur Vieh-Verladerampe mit Kopframpe, die in überwucherten Resten noch vorhanden ist (November 2007). Copyright © Otwin Skrotzki

 

Abfahrt der Züge in Diepholz, Sommer 1935

Zeit

Zug-Nr.

 

Ankunft in

2:35

D 92

täglich

Osnabrück 3:27 - Münster 4:17 - Wuppertal 7:51 - Köln 8:39

3:55

768

werktags

Osnabrück 5:16

4:44

717

täglich

Bremen 6:07

6:07

773

täglich

Bremen 7:36

6:07

776

sonntags

Osnabrück 7:25

6:25

774

werktags

Osnabrück 7:25

7:38

724

täglich

Osnabrück 8:33

7:48

711

täglich

Bremen 9:10

7:50

1589

täglich

Sulingen (Han) 8:50 - Nienburg (Weser) 9:48

8:30

9251

werktags

Sulingen (Han) 10:45

9:48

792

sonntags

Osnabrück 10:49

10:21

E 121

täglich

Bremen 11:15 - Hamburg 12:47 - Altona 13:09

10:56

701

täglich

Bremen 12:19

11:33

D 397

best. Tage

Bremen 12:25 - Hamburg 13:59 - Altona 14:19

11:45

D 97

täglich

Bremen 12:33 - Hamburg 14:06 - Altona 14:28

11:49

702

täglich

Osnabrück 12:48

13:27

760

täglich

Osnabrück 14:31

13:37

727

täglich

Bremen 15:03

13:49

1583

täglich

Sulingen (Han) 14:51 - Nienburg (Weser) 16:04

14:18

D 96

täglich

Osnabrück 14:58 - Münster 15:42 - Duisburg 17:24 - Köln 18:24

14:25

726

täglich

Osnabrück 15:22

15:11

778

samstags

Bohmte 15:50

16:09

725

täglich

Bremen 17:33

16:31

3729

best. Tage

Bremen 17:40 - Hamburg 19:25 - Altona 19:48

16:42

729

täglich

Bremen 17:49 - Hamburg 19:37 - Altona 20:02

16:43

3730

best. Tage

Osnabrück 17:31 - Münster 18:16 - Düsseldorf 20:46

16:56

730

täglich

Osnabrück 17:45 - Münster 19:02 - Wuppertal 21:44 - Köln 22:24

17:11

1591

täglich

Sulingen (Han) 18:13

18:10

706

täglich

Osnabrück 19:10

18:47

D 95

täglich

Bremen 19:36 - Hamburg 21:09 - Altona 21:33

19:23

762

sonntags

Osnabrück 20:31

20:20

722

täglich

Osnabrück 21:20

20:34

705

täglich

Bremen 22:19

20:53

E 122

täglich

Osnabrück 21:35 - Münster 22:16 - Essen 23:48

20:55

1585

täglich

Sulingen (Han) 21:57

22:27

712

täglich

Osnabrück 23:20

23:03

783

sonntags

Bremen 0:26

Quelle: Amtliches Kursbuch für das Reich, Sommer 1935

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Eingang zur ehemaligen Lokführer-Übernachtung im Diepholzer Bahnhof. Hier scheint sich seit 100 Jahren kaum etwas verändert zu haben (November 2007) Copyright © Otwin Skrotzki.

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Darstellung des Diepholzer Bahnhof in einer der Vitrinen des Stelenpfades am Diepholzer Schloß (Juni 2008).

Züge 009

Dieses Foto zeigt, daß man an der Hauptstrecke in Diepholz mit etwas Glück auch heute noch interessante Beobachtungen machen kann. Es entstand am 03. Oktober 2009 südlich des Bahnhof Diepholz. Zu sehen ist ein Güterzug mit Diesellokomotive (!) anscheinend einer privaten Eisenbahngesellschaft auf der Fahrt in Richtung Osnabrück. Copyright © Otwin Skrotzki. 

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